Geschichte des Kaliwerkes
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Das Kaliwerk in Bischofferode
bestimmte über viele Jahre lang die Struktur und das Leben dort. Das Werk war
anfangs Teil der Bismarckshall Kalibohrgesellschaft, eine von über 700
dergleichen im Kaiserreich. Der Bau im Eichsfeld, speziell in Bischofferode bot
sich an, da es hier billige Arbeitskräfte und eine gute Anbindung an das
Schienennetz gab. Außerdem war natürlich viel Salz vorhanden, welches auch noch
günstig lag, die Gefahr von Wasserschäden war minimal. So kam es, dass die
Aktiengesellschaft Bismarckshall am 17. Juni 1909 das 29.648.060 km2
große Grubenfeld im Eichsfeld kaufte.
Der erste Spatenstich für einen
Schacht in Bischofferode wurde schon am 4. Januar 1909 gesetzt. Die
Arbeitsbedingungen für die damals nur 110 Mann in der Belegschaft waren sehr
schlecht. Am 3. Juni 1910 war die Endteufe von 600,5m erreicht, der Schacht war
also nun tief genug. Der Schacht wurde nach dem Hauptaktionär des Werkes
benannt, es hieß nun Weidtmannshall. Mit der Kaliförderung wurde erst in der
ersten Januarwoche 1911 begonnen, da erst nach dem Abteufen die Anlagen übertage
gebaut wurden. Schon am 2. Januar wurde mit dem Abteufen eines zweiten Schachtes
begonnen, aufgrund der Umfangreichen Vorkommen versprach man sich mehr Gewinn,
außerdem würde durch einen zweiten Ausgang die Sicherheit der Arbeiter
verbessert. Nichtsdestotrotz waren die Sicherheitsvorkehrungen und
Arbeitsbedingungen weiterhin miserabel.
Während des Krieges waren einige
Arbeiter als Soldaten einberufen, es wurden nun auch Kriegsgefangene, Franzosen
und Russen, im Bergwerk Weidtmannshall eingesetzt. Ihre Situation war nochmals
deutlich schlechter als die der anderen Bergarbeiter, und verschlechterte sich
genauso wie bei diesen im Laufe des Krieges immer mehr. Nach dem Krieg, unter
anderem im Zuge der Novemberrevolution, verbesserte sich die Lage der Kalikumpel
wieder etwas, die Sicherheitsmaßnahmen wurden ebenfalls verbessert. Die
Produktionsleistung stieg ständig an. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings
noch immer sehr schlecht, 1919 kam es zu verschiedenen Protestaktionen, die
teilweise sogar von Erfolg gekrönt waren.
Im Jahr 1920 schloss sich die
Belegschaft des Kaliwerkes dem Streik gegen den Kapp-Lüttwitz Putsch an, obwohl
vom Worbiser Landrat Weiterarbeiten gefordert wurde. Während in den ersten
Jahren die Förderung grossteil per Hand oder mit niedrigtechnisierten Maschinen
geschah, wurden ab dem Jahr 1920 neuere Technische Einrichtungen benutzt. So gab
es nun eine elektrisch betriebene Drillingspumpe und eine neue
Laugensteigleitung. Auch wurden nun, ab 1921 modernere Sprengstoffe zur
Sprengung unter Tage benutzt, das alte Schwarzpulver hatte ausgedient.
Am 14. August 1923 streikte die
gesamte Belegschaft des Werkes erneut, diesmal gegen die Politik der Regierung,
welche Hunger und Not in der Region hervorgerufen hatte. 15 Bergarbeiter
beschlagnahmten Fleisch, das sie dann an arme Familien verteilten. Nach der
Wirtschaftskrise wurde die Arbeitszeit drastisch erhöht, während die Löhne
gekürzt wurden, es kam zu Protesten, jedoch ohne Ergebnis. Da es zu keiner
Einigung in den Verhandlungen um die Arbeitszeit kam, kündigte die Führung
kurzerhand die gesamte Belegschaft am 21. Dezember 1923. Der Einspruch der
Arbeiter beim Arbeitsgericht brachte nichts.
Am 9. August 1927 wurde das Werk
nach dem Konzern umbenannt, der es übernommen hatte, es hieß jetzt „Wintershall
AG, Werk Bismarckshall“. Während der weiteren Jahre wurde Stück für Stück neuere
Technik eingeführt, der Abbau wurde modernisiert. Im Zuge der
Weltwirtschaftskrise wurde erst ein großer Teil, dann jedoch die Gesamte
Belegschaft des Werkes entlassen, das Bergwerk wurde stillgelegt.
In der Zeit des
Nationalsozialismus wurde zwar der Kaliabbau gefördert, die Arbeiter selbst
konnten aber keine besondere Verbesserung ihrer Situation beobachten. Ab Beginn
des Krieges wurde die Fördermenge sehr stark angehoben, es wurde für die
Kriegsproduktion noch mehr gearbeitet, schließlich konnte aus dem, hier
besonders reinen, Chlorkalium Sprengstoff hergestellt werden. Die enorme
Produktionssteigerung wurde allerdings auch durch starke Repressionen den
Arbeitern gegenüber erreicht. Wieder wurden Kriegsgefangene und diesmal auch
Zwangsarbeiter zur Arbeit unter Tage gezwungen, so arbeiteten am 1. September
1944 884 Personen im Werk, wovon 101 Zwangsarbeiter und 127 Kriegsgefangene
waren. Sie mussten für minimalen Lohn und unter großer Gefahr arbeiten.
Mit dem Ende des Krieges endete
auch vorerst die Produktion des Bergwerkes. Am 10. April 1945 marschierten die
Amerikaner in Bischofferode ein, der Krieg war zuende. Die Arbeit im Bergwerk
lief allerdings noch lange nicht wieder an, es wurden nur
Instandhaltungsmaßnamen ergriffen. Am 4. Juli wiederum wurde das gesamte
Obereichsfeld von der Sowjetunion besetzt. Aufgrund vieler Probleme, wie
Versorgungsengpässen oder solchen, die noch von der Kriegsproduktion geblieben
waren konnte die Arbeit erst im August, und da langsam, wieder anlaufen. Das
ehemals ja dem Wintershall Konzern angehörende Kaliwerk wurde am 1. September
1946 vorerst Staatseigentum der Sowjetunion; am ersten Mai des Jahres 1952 wurde
das Werk schließlich der Regierung der DDR übergeben. Nun hieß es Volkseigenes
Kaliwerk „Thomas Müntzer“. In der DDR produzierte das Werk durchgehend weiter,
auch nach der Wende. Bis 1993.
Arbeit des Werkes, Winter 1992
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